Geschichte besteht eh’ nur aus trockenen Jahreszahlen? Wer das glaubt, sollte sich besser auf anderen Seiten umsehen – oder aber sich hier vom Gegenteil überzeugen lassen. Denn es gibt eine ganze Reihe von Möglichkeiten, um Geschichte spannend und anschaulich zu präsentieren, und eine davon ist der Modellbau. Die Dioramen, die im Folgenden vorgestellt werden, zeigen Szenen aus der Römischen Geschichte im Maßstab 1:72. Dabei dauert es viele Monate, oft sogar mehrere Jahre, ein solches Diorama fertig zu stellen, weshalb auch nicht mit täglichen Aktualisierungen dieser Seite zu rechnen ist ...
1:72 ist als der „Königsmaßstab“ im Figurenmodellbau bezeichnet worden, und das zu Recht: In diesem Maßstab gibt es besonders viele Figuren aus allen Epochen, und ebenso das passende Zubehör wie Gebäude und Fahrzeuge. Auch sind die Figuren einerseits noch groß genug, um eine interessante und detaillierte Darstellung zu erlauben, andererseits ist aber alles klein genug, dass sich auch größere Szenarien bewältigen lassen. Verwendet wird hier übrigens alles, was irgendwie geeignet erscheint – die Spaltung der Figurenfreunde in puristische Anhänger von Plastik- beziehungsweise Zinn-Figuren erscheint mir unnötig, wenn es in erster Linie um ansprechende historische Rekonstruktionen geht. Und selbst wenn bekanntlich im Alten Rom noch keine Eisenbahn fuhr: Wenn’s passt, müssen auch mal Gebäude, Vegetation und anderes Zubehör von den Kollegen aus der Modelleisenbahn-Abteilung herhalten. Doch nun genug der Vorrede – hier kommen die Dioramen:
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Desert Patrol |
WÜSTENPATROUILLE Eine römische Kavalleriepatrouille gerät mit Beduinen aneinander. Die Szene spielt irgendwo in den Bergen um die nabatäische Stadt Petra, im frühen zweiten Jahrhundert n.Chr. Die in den rötlichen Sandstein gemeißelten Grabmonumente der Nabatäer sind als touristische Attraktion ersten Ranges der Grund für den heutigen Bekanntheitsgrad Petras. Der Karawanenhandel entlang der Weihrauchstraße war ehedem die wichtigste Einnahmequelle des nabatäischen Königreiches, und auch die Römer hatten nach der Umwandlung des Landes in die Provinz Arabia ein Interesse daran, dass die Handelswege sicher waren, was durch Patrouillen und Eskorten für Karawanen sicher gestellt werden sollte. Die römischen Reiter im Diorama stellen Angehörige eines Kavallerieregimentes dar, der ala dromadariorum, die für das Heer der Provinz Arabia bezeugt ist und die, wie hier in der Rekonstruktion gezeigt, sowohl Pferde als auch Kamele als Reittiere verwendete. |
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The Minerva at Harbor |
DIE MINERVA IM HAFEN Ein paar Marinesoldaten, die sich beim Wachdienst entsetzlich langweilen ... und die deshalb freudig die Gelegenheit zu einem kleinen Plausch nutzen, als plötzlich eine junge Frau am Kai auftaucht. Diese Szenerie wäre vermutlich zu jeder Zeit und an jedem Ort der Welt plausibel, aber hier ist sie natürlich ins Alte Rom verlegt. Das Kriegsschiff, das hier vor Anker liegt, ist die Trireme “Minerva”. Sie gehört zur classis praetoria Misenensis, der kaiserlichen Flotte mit Stützpunkt Misenum. In der römischen Kaiserzeit gab es Flottenstationen an allen wichtigen Küsten und Flüssen; die beiden größten Flotten waren in Italien in Misenum und Ravenna stationiert, wo die Kaiser bei Bedarf einen direkten Zugriff hatten. |
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Encounter on the Silk Road |
BEGEGNUNG AUF DER SEIDENSTRASSE Die Handelswege zwischen Asien und Europa lassen sich bis in die Bronzezeit zurückverfolgen, aber eine erste Hochphase der später so genannten „Seidenstraße“ fällt in die römische Kaiserzeit: Im zweiten Jahrhundert war die gesamte Strecke von China bis Rom unter der Kontrolle weniger, großer Staaten, was den Handel außerordentlich begünstigte. Das Diorama zeigt eine Szene in der Nähe von Palmyra am syrischen (und damit römischen) Endstück der Seidenstraße. |
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The Saxons Are Here! |
DIE SACHSEN SIND DA! Die Sachsen begannen im späten dritten nachchristlichen Jahrhundert, die Küsten des römischen Britannien und Gallien heimzusuchen. Als Antwort wurde in den betroffenen Gebieten ein spezielles Regionalkommando, der „litus Saxonicus“ eingerichtet. Interessanter Weise kann man sich über das Aussehen der sächsischen Schiffe ein recht genaues Bild machen, weil mit dem Nydamschiff ein Fund aus dem frühen vierten Jahrhundert vorliegt. Es handelt sich um ein reines Ruderboot, wie es für den nordischen Schiffbau dieser Zeit generell noch typisch war. Die Länge des hier gezeigten Modells entspricht in der Realität ziemlich genau den 23 Metern des Nydamschiffes. |
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Limes Construction Site |
LIMESBAUSTELLE Ein Diorama, das den obergermanischen Limes in seiner letzten Ausbaustufe zeigt, mit Palisade, Wall, Graben, Verbindungsweg und Turm, wie er sich im zweiten nachchristlichen Jahrhundert präsentierte. Noch ist aber nicht alles fertig, und deshalb wird mit Hochdruck gearbeitet – vielleicht ist ja mit einer Kontrolle durch den Legaten zu rechnen, oder sogar der Kaiser höchstpersönlich will den Grenzabschnitt inspizieren … |
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A Terrible Discovery |
EINE GRAUSIGE ENTDECKUNG Sechs Jahre nach der verheerenden Varus-Niederlage führte Germanicus eine Strafexpedition nach Germanien, in deren Verlauf auch das Schlachtfeld des Jahres 9 n.Chr. entdeckt wurde. Tacitus breitet genüsslich die grässlichen Details aus wie etwa die Knochen der römischen Gefallenen, die den Boden bedeckten, und die Schädel, die man an Baumstämme genagelt hatte. Im Diorama ist ein Vorauskommando aus Legionären und Hilfstruppen bei der Erkundung des Schlachtfeldes zu sehen, im Hintergrund steht noch der Wall, den seinerzeit Arminius als Hinterhalt errichtet hatte. Einen Bericht über das heutige Aussehen des Schlachtfeldes kann man übrigens hier herunterladen. |
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Roman Harbour with Merchant Ship: A Diorama on the Workbench |
RÖMISCHER HAFEN MIT HANDELSSCHIFF: EIN DIORAMA AUF DER WERKBANK Der Flusshafen an einem Rheinarm hat die römische Colonia Ulpia Traiana, das heutige Xanten, als Vorbild. Das Schiff in dieser Szene wäre eigentlich zu groß für diesen Hafen, typisch waren in dieser Region damals deutlich kleinere Frachter und prahmartige, flache Kähne. Aber das phantastische römische Handelsschiff in Resin (aus dem Programm von Fuhrmann Figuren) verlangte einfach nach einer Szenerie, in der es zum Einsatz kommt. Die Entstehung des Hafendioramas ist in einem eigenen Blog auf Toy Collector dokumentiert. |
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Gallo-Roman Temple Precinct |
GALLORÖMISCHER TEMPELBEZIRK Eine Alltagsszene aus der römischen Provinz, irgendwo im heutigen Südwestdeutschland. Zu sehen sind zwei typische Bauten der provinzialrömischen Kulte der Region, ein gallorömischer Umgangstempel und eine Jupiter-Giganten-Säule. Beides sind moderne Bezeichnungen, und was sich dort damals an Riten genau abgespielt hat, weiß niemand. Tempel und Säule sind keine Bausätze, sondern scratch-built, wie man so schön sagt. Das carpentum (Reisewagen) von Odemars ist ein Bausatz, allerdings kein sehr authentischer, wie man sagen muss. Doch da die Firma offensichtlich nicht mehr existiert, ist das Modell in gewisser Weise selbst schon historisch. |
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The Sudan Expedition |
DIE SUDANEXPEDITION In der Regierungszeit Neros fand eine Nil-Expedition von Prätorianern statt, die bis tief in den heutigen Sudan gelangte. Die Beziehungen zum südlichen Nachbarn der römischen Provinz Ägypten, dem Königreich von Meroe, waren zu dieser Zeit gut, und ohne die Kooperation der Nubier hätte die Expedition auch sicher nicht so weit vordringen können. Das Diorama zeigt eine solche Begegnung der Römer mit meroitischen Würdenträgern. |
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The Lucanian Cows |
DIE LUCANISCHEN KÜHE In der Schlacht von Asculum prallten König Pyrrhos von Epiros und seine römischen Gegner zum zweiten Mal aufeinander. Diesmal hatten die Römer Ochsenkarren mit spezieller Antielefantenausstattung vorbereitet, nachdem sie von Pyrrhos’ „Lucanischen Kühen“ in der Schlacht bei Heraclea (280 v.Chr.) überrascht worden waren. Die Vignetten, die hier präsentiert werden, sind ein kleiner Beitrag zum Großprojekt „Pyrrhus“ mit rund 12.000 Figuren, das unter der Leitung von Uwe Wild auf der Modellbaubörse DUZI zu sehen war. |
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The Guard Post |
DER WACHPOSTEN Diese kleine Diorama zeigt eine römische Straßenstation, irgendwo in einer der nördlichen Provinzen. Während ich meist Figuren ganz verschiedener Hersteller durcheinander würfele, sind hier einmal ausschließlich Zinnfiguren von Hecker & Goros im Einsatz. H & G bietet einige ungewöhnliche Figuren zum Thema „Römer und Germanen“ in dicker Winterkleidung an, die die Gestaltung eine Szene in der kälteren Jahreszeit nahe legten. |
• Modellfiguren Online, mit Forum und umfangreicher Gallerie
• Benno's Figures - sehr lebhaftes und unterhaltsames Forum
• ... und die ETS-Pages – zwei empfehlenswerte Seiten von HäT
• Plastic Soldier Review – Das Zentralorgan der Figurensammler
• Die Yahoo-Gruppe von Thomas Krug
• Die 1/72 Ancients, eine weitere Yahoo-Gruppe
• Aus der Nachbardisziplin der Flachfiguren: Römerdioramen von Helmut Saiger
Wer sich für Figuren jenseits des Standardprogramms der großen Firmen interessiert, der wird hier fündig:
• Fuhrmann-Figuen - getreu dem Motto "Alles aus einer Hand"
• Art Miniaturen - umfassende Zinnfigurenserien zur Antike von Jörg Schmäling
• Exzellent modellierte Zinnfiguren von Hecker & Goros
• Phersu aka Leonardo Torricini bietet ungewöhnliche Sujets in Resin und Zinn
• Resinfiguren vom Dioramen-Großmeister Erik Trauner
• Germania-Figuren bietet z.B. feine Resinfiguren aus eigener Produktion
• Die Antike in Zinn bildet bei DayDream-Miniatures von Andy Peters einen Schwerpunkt
• Eine Spezialität von Fredericus Rex sind exzellente gelaserte Gebäudemodelle
• Resingebäude und Zubehör von Imperial-Modellbau
Die Freunde der Antike auf der Museumsinsel: Für Fans der Antike im Maßstab 1:1
Eine Rezension zu "Kate Gilliver: Auf dem Weg zum Imperium" gibt es hier.
Und ein paar Anmerkungen zum Film "King Arthur" gibt es hier.